Der 1. Dezember 2008 ist ein guter Tag, um anzufangen. Was daraus wird, das wird sich zeigen.
Wer Schuld hat?
Mal wieder Frau Nebraska. Danke Kixka für den Schubs ins Wasser!
P.S.: Bitte Abstand halten.
Der 1. Dezember 2008 ist ein guter Tag, um anzufangen. Was daraus wird, das wird sich zeigen.
Wer Schuld hat?
Mal wieder Frau Nebraska. Danke Kixka für den Schubs ins Wasser!
P.S.: Bitte Abstand halten.
„Die Geschichte der Romanfabrik beginnt mit einer ebenso unglaublichen wie wahren Begebenheit. Nein, eigentlich mit einer Folge unglaublicher und wahrer Begebenheiten. Wie ein Roman eben. Die beteiligten Personen: ein Pelzdieb, Peter Z., beginnt im Knast zu schreiben. Eine erfolgreiche Cartoonistin, Doris L., verliebt sich in den Knacki. Ein Bordellbesitzer, Dieter E., verspricht, dem Knacki nach der Entlassung zu helfen. Richtet ihm tatsächlich eine Kellerkneipe in der Uhlandstrasse im damals stark vernachlässigten Ostend ein…. Dies geschah im Jahre 1985, zu einer Zeit, als es für Literaten und Künstler noch keinen festen Ort in Frankfurt gab und noch niemand an ein Literaturhaus dachte.“
Ist das nicht eine hinreißende Geschichte? Und ganz frisch geklaut von der Webseite der Romanfabrik. Also weiter.
Jedenfalls fanden dann in der Uhlandstrasse über Jahre und regelmäßig Lesungen, Autorengespräche und sonstige literarische Veranstaltungen statt. Mitten in der Stadt so wie es sich gehört aber in zugegebenerweise viel zu kleinen Räumlichkeiten. Ende der 90iger zog die Romanfabrik fernab von der Stadtmitte zugunsten neuer größerer moderner Räume in die Hanauer Landstrasse auf das Areal der ehemaligen Union-Brauerei in die Nachbarschaft zu Autohäusern und Clubs.
In puristischer Eleganz werden dort nun seit fast 10 Jahren Autorenlesungen, Chansonabende, Tango-Café, Salsa-Abende, Jazz, Klassik in der Romanfabrik und ein Philosophisches Café angeboten. Empfehlenswert ist es sich über den Kulturbrief per Mail regelmäßig über das Programm zu informieren, denn Ausversehen kommt man hier garantiert nicht vorbei. Die Romanfabrik verfügt über eine nette Bar und freundliches Personal. Die coolen Getränke erschwinglich zu moderaten Preisen können im Sommer auch auf der Dachterasse eingenommen werde. Alles was das Herz begehrt. Eigentlich.
Eigentlich müsste ich ihn sehr gerne haben. Er ist schlau, eloquent, hat phasenweise etwas schelmiches. Immerhin. Feridun Zaimoglu liest aus seinem Neuling „Liebesbrand“.
Für € 8,00 kann man in der Romanfabrik den Worten des Mannes lauschen, den die FAZ vor gar nicht so langer Zeit als interessantesten deutschen Gegenwartsautoren bezeichnete, der zahlreiche Literaturpreise bekam und von dem Romane wie „Kanak Sprak“, „Abschaum“ oder „Leyla“ stammen. Die Lesung ist gut besucht. Die Zuhörer interessiert und Zaimoglu gut gelaunt. Dennoch sein Funke will nicht auf mich übergreifen.
Eine seltsame Sache ist das. Da liegen rein objektiv die besten Voraussetzungen dafür vor, dass ich der Romanfabrik und diesem Autor für immer hoffnungslos verfalle. Trotzdem und warum auch immer warm werde ich nicht mit ihnen.
Es ist der 10.06.2008. Europameisterschaft. Die Hanauer Landstrasse ist leergefegt. Es herrschen Temperaturen von knapp 30 Grad. Es ist schwül und die Hitze steht. Zwei Qyperinnen, die sich kaum kennen, treffen sich zu dieser Lesung. Die eine ist viel zu bescheiden. Das Sprichwort „Neugier tötete die Katze“ ist ihr unbekannt. Aus ihr sprudeln Fragen wie aus einer Popcornmaschine Popcorn. Die andere ist schüchtern und dann doch über das Ziel hinaus schießend. Ihr Herz liegt ihr auf der Zunge. Beide sind auf ihre Art überdreht und haben gemeinsam die Liebe zum Wort.
Manchmal passt es dann doch. Einfach so und ohne jede Anstrengung. Schön.
Trotz Hanauer Landstrasse und einen Autor, in den ich mich partout nicht verlieben kann, insgesamt objektive vier Punkte für die Romanfabrik, die schon lange ihren verdienten Platz im Frankfurter Kulturleben eingenommen hat.
Veröffentlicht auf Qype.
Er ist der Mensch, mit dem ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe. Sein Name war das erste Wort, das ich lesen konnte, noch lange bevor ich meinen eigenen zu buchstabieren vermochte.
Mein Bruder, Weißkannallesbesser, der mich in unserer Kindheit bis zur Weißglut trieb und mit dem ich dennoch innigste Geheimnisse teilte. Er war die erste soziale Gruppe, in die ich mich einfügen musste. Er war mein Sparringpartner und unser Kinderzimmer das Trainingslager. Egal wie ich mich anstrengte, was ich auch tat, er hatte stets mehr Kraft in den Fäusten, mehr Gemeinheiten auf der Zunge und mehr Worte im Kopf als ich. Egal wie sehr wir einander strapaziert, uns überworfen und wieder vertragen haben, in Gedanken werden wir einander niemals los.
Zugegeben als Kind hatte er es nicht leicht. Schließlich war er über fünf Jahre bis zur meiner Geburt unangefochtener Thronprinz am elterlichen Hof. Es muss eine herrliche Zeit für ihn als Einzelkind gewesen sein, glaubt man seinen Worten, die auch nach über 30 Jahren mit einem unergründlichen tiefen Glanz in seinen Augen und einem leichten, geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen noch immer recht überzeugend ausgesprochen wirken.
Und dann kam ich und er wurde entmachtet.
- Was für ein Trauma.
- Was für ein Traum.
Einfach süß und frech war ich wohl mit meinen kurzen Beinen, den wilden dunklen Locken und meinem umwerfendem Charme. Alle liebten mich. Immer wieder fühlte er sich deshalb zurückgewiesen, tat alles um die Aufmerksamkeit der Eltern zurückzuerobern.
Vielleicht ein Grund dafür warum er seinen Namen Kazuki überall mit großen Lettern an die unmöglichsten Stellen hinschrieb, wie z.B. ins Treppenhaus, auf jede Treppenstufe, auf sein Rad, auf mein Rad, an Häuserwände, in Bücher, auf Tischkanten, ans Waschbecken, den Spiegel im Jungenklo, auf Pullover, Türschilder, Becher, T-Shirts, Jacken, auf jedes erdenkliche Spielzeug und in jedes Comicheft. Selbst heute noch bei meiner Mutter auf dem Dachboden entdecke ich Dinge, die er mit seinen Namen in Beschlag genommen hat.
Du hättest nicht gedacht, dass ich die Nummer mit der menschlichen Kanonenkugel überlebe, oder Bruderherz?
Nun, das hier ist mein Teil. Mein Name. Hier bei Qype. Jetzt bin ich dran.
Haiku was here-Part II.
P.S: Das hier wird keinesfalls für immer sein, aber für den Anfang vielen Dank.
P.P.S.: Vielen Dank auch für den schicken Fernseher und den schönen Kleinwagen.
Nach meiner persönlichen Zeitrechnung begannen die 80iger Jahre am 03.08.1982. Ich war etwas über 10 Jahre alt und hatte meine Mutter dazu überredet, mir für diesen speziellen Tag ein himmelblaues Kleid mit orange-roten Blümchen und einer Schleife zu kaufen. Frohen Mutes damit geschmückt und stolz wie Oskar trat ich meinen allerersten Tag auf dem Gymnasium an.
Und dann das.
Die Kinder mit denen ich noch vor den Sommerferien harmlos Verstecken gespielt hatte, hatten sich plötzlich in Halbstarke verwandelt, allesamt in Netzhemden, zerschnittenen Sasch-Hosen, mit Pickeln und Haaren an den unmöglichsten Stellen. Meine beste Freundin hatte sich einen Freund angelacht, mit dem sie auf dem Schulhof rumknutschte. Alex trug einen Ohrring am rechten und nicht am linken Ohr. Oder war es umgekehrt? Jedenfalls wurde spekuliert, dass er deshalb eigentlich nur schwul oder bi sein könne. Alles war „affentittengeil“ oder einfach nur „Sahne“.
Und ich in meinem Blümchenkleid. Meine Güte war ich unbedarft.
Die Pubertät war in den Sommerferien durch alle Orte im Taunus gewandert, hatte an die Türen der Gleichaltrigen geklopft und mich? Vergessen! Einfach so. Es sollte auch noch ein paar Jahre dauern, bis sie sich dann endlich bei mir meldete. Die Verwirrung blieb, wenn sie sich auch auf andere Weise äußerte und den Vorsprung, den die anderen mittlerweile hatten, sollte ich nie wieder aufholen.
80iger Jahre und Pubertät sind in meinen Erinnerungen untrennbar miteinander verschraubt: Willste-mit-mir-gehen-Zettelchen, Zahnspangen, “Der Fänger im Roggen” hoch und runter und wieder von vorne, Clerasil, Schuldisco in miefigen Mehrzweckhallen, Flaschendrehen und Blues mit schwitzigen Jungs in viel zu engen Röhrenjeans, hohem Bund und unförmigen Gliedmaßen. Was für ein Elend.
Und im Hintergrund spielte immer zu diese Musik.
Ewiggestrige Ü30 haben die Möglichkeit an jedem Samstag im zentral gelegenen Frankfurter Börsenkeller zu den unvergessenen, meist gehassten und geliebten, einfach nicht Tod zu kriegenden Hits der 80iger Jahre zu tanzen.
Zweimal einer Freundin zum Gefallen war ich nun dort. Einmal davon wurde ich Zeuge wie DJ Stargate in einem kurzen Augenblick in völliger Verzweiflung all seinen Mut zusammen nahm. Na ja, vielleicht war er ja auch einfach nur geschwächt und konnte nicht mehr anders. Er spielte ein Stück aus der Gegenwart, was zur Folge hatte, dass sich die Tanzfläche schlagartig leerte und sich die Stimmung kurz trübte, bis zur Versöhnung wieder „Ich will Spaß, ich will Spaß…“ aus den Boxen dröhnte.
Ja, so ist das im Börsenkeller.
Für die Gäste, überwiegend Banker und Börsianer Ü40, gibt es sympathischerweise keinen Dresscode. Einige der Tanzenden sahen sogar so aus, als ob sie eigens für diese Party Altkleidersäcke geräubert hätten z.B. Marc, ein Mann Mitte 40, schwitzig, in viel zu engen Röhrenjeans, hohem Bund und unförmigen Gliedmaßen. Während er mir ungebeten den Arm um die Taille legte, erklärte er mir, dass er Stammgast sei und ehemals als der schönste Mann seiner Schule galt. Wer sich mit Mitte 30 mal wieder wie ein junges Küken oder Frischfleisch fühlen möchte, dem sei ein Besuch im Börsenkeller als medizinische Jungbrunnenkur empfohlen.
Die kleine Zeitreise kostet € 7,00 an der Abendkasse. Die Location, die Preise, der Türsteher sind für Frankfurter Verhältnisse aus meiner Sicht okay. Aus diesem Grund und weil der Rest der Gäste, die ganz offensichtlich eine bessere Pubertät als ich hatten, wirklich Spaß zu haben schien, vergebe ich insgesamt drei Punkte. Wegen Marc, dem Stammgast wurde einer bereits abgezogen.
Veröffentlicht auf Qype.